In der kollektiven Vorstellung hat die Nachtmütze eine sehr präzise Silhouette: eine lange, weiche Mütze, die an der Seite des Kopfes herunterhängt und oft mit einem Pompon abschließt. Es ist die Mütze aus Märchen, alten Illustrationen und jener Figuren, die mitten in der Nacht mit einer Kerze in der Hand aufwachen.
Aber warum war sie so lang?
Die Frage scheint ganz einfach. Und es gibt viele Antworten: Ihr langer Zipfel hätte die Ohren bedecken, sich um den Hals wickeln, Feuchtigkeit aufnehmen oder sogar die Mütze während des Schlafs an Ort und Stelle halten können.
Doch wenn man sich die tatsächlich in Museumsbeständen erhaltenen Mützen ansieht, wird die Geschichte viel weniger eindeutig.
Man weiß, dass Nachtmützen insbesondere dazu dienten, den Kopf in wenig oder gar nicht beheizten Häusern und Schlafzimmern warm zu halten. Eine präzise technische Funktion für ihren berühmten langen Zipfel historisch zu rechtfertigen, ist hingegen viel schwieriger.
Und es gibt noch eine weitere Überraschung: Nicht alle Nachtmützen waren lang, bei weitem nicht.
Einige waren kurz, andere reich bestickt, und einige waren nicht einmal zum Schlafen gedacht. Um zu verstehen, woher diese lustige spitze Mütze, die wir alle kennen, stammt, müssen wir für einen Moment Scrooge, die berühmte Figur von Dickens, vergessen und uns die echten Nachtmützen ansehen, die uns die Geschichte hinterlassen hat.
Zuerst: Warum trug man eine Mütze zum Schlafen?
Um die Nachtmütze zu verstehen, muss man sich daran erinnern, wie ein Schlafzimmer vor zwei oder drei Jahrhunderten aussah. In einem Haus ohne Zentralheizung und oft schlecht isoliert, konnte die Temperatur nachts stark sinken, besonders im Winter. Sich unter mehrere Decken zu kuscheln, schützte den Kopf jedoch nicht vor Kälte und Zugluft.
Dies ist eine der Funktionen der Nachtmütze, die sich aus historischen Quellen klar ableiten lässt. Das Rijksmuseum erklärt dies im Zusammenhang mit einer niederländischen Mütze aus der Zeit um 1808: In unbeheizten Häusern war es üblich, eine Mütze im Bett zu tragen, um den Kopf warm zu halten.
Und diese Gewohnheit ist viel älter. Ein französisches Manuskript aus der Zeit um 1440–1450, das heute in der Morgan Library & Museum aufbewahrt wird, zeigt sehr deutlich einen Mann, der in seinem Bett schläft, den Kopf mit einer Mütze bedeckt. Wir sind hier mehrere Jahrhunderte vor dem Bild der Nachtmütze, das im 19. Jahrhundert populär wurde.
Die Mütze konnte je nach Epoche und Modell aus verschiedenen Materialien gefertigt sein, aber ihr Prinzip war letztlich sehr einfach: eine zusätzliche Schutzschicht dort hinzuzufügen, wo Decken dies nicht konnten.
Hier ist also eine erste Antwort auf unsere Frage: Wenn man nachts eine Mütze trug, dann vor allem, um sich vor Kälte zu schützen. Aber das erklärt uns immer noch nicht, warum einige von ihnen diesen berühmten langen Zipfel hatten.

Auf der Suche nach der langen spitzen Mütze
Wir wissen also, warum man den Kopf beim Schlafen bedecken wollte. Aber das verrät uns immer noch nicht, woher diese besondere Silhouette stammt: eine Mütze, die weit über den Scheitel hinausgeht, sich allmählich verjüngt und manchmal mit einer Quaste oder einem Pompon endet.
Um sie mit Sicherheit wiederzufinden, muss man bis zur Wende des 19. Jahrhunderts vordringen. Und diesmal werden die Hinweise sehr konkret.
Das Royal Museums Greenwich bewahrt zum Beispiel eine Nachtmütze auf, die Admiral Horatio Nelson gehörte und auf 1800–1805 datiert ist. Aus weißer Seide gestrickt, ist sie etwa 26,5 cm lang und endet mit einer Quaste. Einige Jahrzehnte später, in den Niederlanden, erreicht eine im Rijksmuseum aufbewahrte Nachtmütze 30 cm. Ihre gestrickte Kappe endet in mehreren dreieckigen Teilen; die heute sichtbare Quaste wurde später hinzugefügt.
Aber eines der interessantesten Objekte für unsere Untersuchung befindet sich in Großbritannien. Die Knitting & Crochet Guild bewahrt die Mütze von Captain Tweedie auf, datiert auf 1826. Hier gibt es keinen Zweifel an ihrer Verwendung: Die Sammlung gibt an, dass sie tatsächlich im Bett getragen wurde. Sie misst 34 cm, einschließlich Quaste, und ihre Konstruktion wird ausreichend präzise beschrieben, um zu verstehen, wie ihre Spitze erhalten wurde: Die Mütze wird in Runden gestrickt, dann wird ihr oberer Teil in vier Paneele unterteilt, deren Maschen allmählich bis zum Scheitel abnehmen.
Und die Spur endet nicht auf den Britischen Inseln. In Frankreich enthält der Manuel des Demoiselles von Élisabeth Celnart, veröffentlicht 1826, ebenfalls Anweisungen zur Herstellung einer gestrickten „Herrenmütze“. Und viel weiter nördlich bewahrt das Sörmlands museum eine schwedische Herren-Nachtmütze aus dem späten 19. Jahrhundert auf, gestrickt aus weißer Baumwolle. Sie ist 39 cm hoch, hat eine Baumwollquaste, und auch hier werden die Maschen allmählich reduziert, um die Mütze bis zur Spitze zu verjüngen.
Unsere lustige Mütze ist also nicht nur eine Erfindung von Weihnachtsmärchen oder Illustratoren. Längliche, gestrickte und spitz zulaufende Nachtmützen wurden im 19. Jahrhundert in verschiedenen Regionen Europas tatsächlich hergestellt und getragen.
Doch wenn man ihrer Spur folgt, stößt man auf etwas ziemlich Unerwartetes: Einige Mützen, die Museen heute als „Nachtmützen“ bezeichnen, wurden nicht unbedingt zum Schlafen getragen.

Nachbildungen nach historischen europäischen Modellen.
Eine Nachtmütze… die nicht immer nachts getragen wurde
Verfolgt man die Spur der Nachtmütze in den Museumssammlungen, stößt man schnell auf ein Vokabelproblem. Ein Objekt, das heute als nightcap bezeichnet wird, war nicht unbedingt eine Mütze, in der sein Besitzer schlief.
Das Metropolitan Museum of Art besitzt beispielsweise eine englische night cap aus der Zeit von 1600–1620, reich bestickt mit Seide und Metallfäden. Trotz ihres Namens weist das Museum darauf hin, dass diese Art von Mütze zur informellen Herrenkleidung gehörte und tagsüber im Haus getragen werden konnte. Das London Museum besitzt ebenfalls eine prächtige bestickte Mütze aus dem frühen 17. Jahrhundert, deren Beschreibung noch expliziter ist: Es handelte sich um ein männliches Hauskleidungsstück und nicht um eine Mütze, die zum Schlafen bestimmt war.
Warum wird sie dann nightcap genannt? Weil die Grenzen zwischen Nachtmütze, Hausmütze und Hauskleidung weniger scharf waren, als unsere modernen Kategorien vermuten lassen. Im 17. und 18. Jahrhundert konnte die Mütze insbesondere Männern, die sehr kurze Haare oder einen unter ihrer Perücke rasierten Schädel trugen, den Kopf vor Kälte schützen. Das Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum erklärt daher, dass diese Mützen zu Hause getragen werden konnten, wenn die Perücke abgenommen war, sowohl tagsüber als auch nachts.
Und diese Durchlässigkeit zwischen gewöhnlicher Mütze und Nachtmütze ist nicht auf Großbritannien beschränkt. In den Niederlanden bewahrt das Nederlands Openluchtmuseum eine gestrickte Mütze aus Volendam, die slaapmuts genannt wird. Trotz ihres Namens trugen die Männer sie im 19. Jahrhundert tagsüber und sogar zu ihrer Sonntagskleidung. Noch erstaunlicher ist, dass diese Mützen auch von den Frauen aus Volendam zum Schutz vor Kälte verwendet wurden.
Dieser Umweg ist wichtig für unsere Untersuchung. Er deutet darauf hin, dass die lange Nachtmütze möglicherweise keine Form ist, die von Grund auf erfunden wurde, um ein schlafbezogenes Problem zu lösen. Sie könnte auch das Erbe von Männermützen sein, die lange Zeit zu Hause oder im Alltag getragen wurden, und deren bestimmte Formen allmählich ihren Platz im Schlafzimmer gefunden haben.
In diesem Fall riskieren wir, uns zu irren, wenn wir eine praktische Funktion für jeden Zentimeter ihrer langen Spitze suchen.
Es bleibt jedoch eine schwer zu vermeidende Frage: Wenn ein paar Zentimeter Mütze ausreichten, um den Kopf zu bedecken, warum strickte man sie dann so lang?
Warum also so lang?
Hier werden alte Schnittmuster besonders interessant. Denn eines ist nun sicher: Diese Länge war nicht nur das Ergebnis einer einfachen Art, eine Mütze herzustellen.
Im Manuel des Demoiselles von Élisabeth Celnart, 1826 in Frankreich veröffentlicht, wird die „Herrenmütze“ in Runden gestrickt. Einige Jahre später enthält das britische Handbuch The Workwoman’s Guide von 1838 Anweisungen für eine Gentleman’s Night Cap, ebenfalls in Runden aus feiner Baumwolle gestrickt. Und die Mütze von Captain Tweedie, die wir oben erwähnt haben, lässt das Ergebnis erkennen: Um ihren oberen Teil zu formen, werden die Maschen allmählich reduziert, bis die Spitze entsteht.
Mit anderen Worten: Man begnügte sich nicht damit, den Kopf zu bedecken und die Arbeit dann einzustellen. Man strickte weiter und baute dabei bewusst diese sich verjüngende Form auf. Und an vielen Exemplaren wurde noch eine Quaste oder ein Pompon am Ende angebracht.
Man stößt auch auf viel malerischere Erklärungen. Eine davon besagt, dass der lange Zipfel dazu diente, kleine Kostbarkeiten während der Nacht zu verbergen. Das Bild ist verlockend: ein paar Münzen oder ein Schlüssel, versteckt tief in der Mütze, buchstäblich unter dem Kopf des Besitzers.
Leider für Liebhaber nächtlicher Schätze haben wir bisher keine seriösen historischen Quellen oder dokumentierten Museumsobjekte gefunden, die diese Verwendung bestätigen. Sofern ein zukünftiges Inventar die Untersuchung nicht umwälzt, ist es besser, diese Erklärung zu den schönen Geschichten und nicht zu den etablierten Funktionen der Nachtmütze zu zählen.
Wärme bleibt wahrscheinlich ein guter Teil der Antwort. In einem kalten Schlafzimmer spendet eine längere Mütze mehr Material als eine kleine, eng anliegende Mütze. Ihr weicher Zipfel kann um den Kopf und den Nacken fallen und je nach Position zusätzlichen Schutz für Ohren oder Hals bieten. Eine moderne Referenzquelle zur Geschichte der Kopfbedeckungen erklärt, dass der lange Zipfel als kleiner Schal verwendet werden konnte, um den Nacken warm zu halten.
Die Idee ist logisch und durchaus möglich. Aber man muss vorsichtig sein: Bisher erklären die von uns gefundenen Beschreibungen und Muster aus der damaligen Zeit, wie diese Mützen hergestellt wurden, ohne anzugeben, dass ihre lange Spitze speziell zum Umwickeln des Halses geschaffen wurde. Nichts erlaubt es also, sie mit Sicherheit als den Grund für diese Form anzusehen.
Und vielleicht spielt uns hier unser moderner Blick einen Streich. Angesichts eines seltsamen alten Objekts suchen wir spontan nach einer Funktion für jedes Detail: Wenn diese Spitze so lang ist, muss sie unbedingt zu etwas „dienen“.
Doch Kleidung funktioniert nicht so. Sie besteht auch aus Traditionen, Moden und Zeichen, die es ermöglichen, eine Epoche, eine Region oder den Träger zu erkennen. Die Quaste, die an vielen Mützen hängt, ist eine schöne Erinnerung daran: Sie war sicherlich nicht unerlässlich, um ihren Besitzer vor kalten Ohren zu bewahren.
Die lange Spitze könnte also einen echten thermischen Nutzen gehabt haben, ohne ausschließlich dafür erfunden worden zu sein. Sie scheint auch zu einer Mützenform zu gehören, die europäische Männer bereits kannten und die einige Regionen bewahrt, verändert oder allmählich dem nächtlichen Gebrauch angepasst haben.
Und gerade wenn man die Besitzer dieser langen Mützen genauer betrachtet, taucht eine neue Frage auf: Wo sind eigentlich die Frauen?
Aber wo sind die Frauen?
An diesem Punkt der Untersuchung wird ein Detail kaum noch zu ignorieren sein. Nelson, Captain Tweedie, die französische „Herrenmütze“ von 1826, die britische Gentleman’s Night Cap, das schwedische Exemplar… viele der langen spitzen Mützen, denen wir begegnen, sind Männern zugeordnet.
In der Zwischenzeit weisen die in Museen erhaltenen weiblichen Nachtmützen oft eine ganz andere Silhouette auf.
Das London Museum bewahrt beispielsweise eine englische Damenmütze aus dem frühen 19. Jahrhundert auf, aus weißem Leinen, eng am Kopf anliegend und hinten gerafft. Andere weibliche Modelle aus derselben Zeit sind mit Rüschen gesäumt, mit Bändern oder Schnüren versehen und ähneln viel mehr der kleinen weißen Haube, die man heute mit alter weiblicher Kleidung in Verbindung bringt, als der langen Mütze von Scrooge.
Dieser Unterschied findet sich auch anderswo in Europa. In Schweden besitzt das Sörmlands museum insbesondere weibliche Nachtmützen aus dem 19. Jahrhundert, die aus einer kleinen weißen Baumwollhaube bestehen, die am Nacken zusammengezogen und mit Bändern befestigt ist.
Diese Beobachtung sollte man jedoch nicht zu einer absoluten Regel machen. Die Gebräuche variierten je nach Land, Region und Epoche. In Volendam, Niederlande, haben wir gerade gesehen, dass auch Frauen diese gestrickten Schlafhauben trugen, um sich vor Kälte zu schützen.
Doch der Trend ist deutlich genug, um ein weiteres Puzzleteil hinzuzufügen: Die große, spitz zulaufende Strickmütze scheint im 19. Jahrhundert in Teilen Europas besonders mit der Herrengarderobe verbunden gewesen zu sein.
Das erklärt vielleicht auch, warum diese Silhouette in unserer Vorstellungswelt so starke Spuren hinterlassen hat. Sie ist sofort erkennbar: eine lange, zur Seite fallende Spitze, manchmal eine Quaste, die am Ende baumelt... Man muss sie fast nur zeichnen, um zu verstehen, dass ihr Besitzer gerade aus dem Bett gekommen ist.
Und genau an diesem Punkt kommen Literatur und Illustratoren in unsere Untersuchung.
Hat Scrooge unser Bild der Schlafhaube erfunden?
Es ist schwer, über die lange Schlafhaube zu sprechen, ohne irgendwann auf Ebenezer Scrooge zu stoßen. In Charles Dickens' "Eine Weihnachtsgeschichte", die 1843 veröffentlicht wurde, kehrt die alte Figur in einer eisigen Nacht nach Hause zurück, zieht ihren Morgenrock, ihre Pantoffeln und ihre Schlafhaube an und setzt sich vor ein Feuer, das so schwach ist, dass sie sich kaum daran wärmen kann.
Der Originaltext von Dickens erwähnt also die night-cap. Und es ist nicht nur unsere moderne Fantasie, die ihr dieses Aussehen verliehen hat: In der Originalausgabe von 1843, illustriert von John Leech, erscheint Scrooge bereits in Nachtkleidung, mit einer Mütze auf dem Kopf.
Aber Dickens hat diese Mütze nicht erfunden. Als Eine Weihnachtsgeschichte erschien, hatte Nelson seine schon seit etwa vierzig Jahren getragen, Captain Tweedie schlief seit 1826 mit seiner, und Anleitungen erklärten bereits, wie man diese Art von Kopfbedeckung strickt. Scrooge ist also eher ein Zeitzeuge als ein Modedesigner.
Er hat jedoch an etwas viel Dauerhafterem mitgewirkt: diese Silhouette in unserer Vorstellung zu verankern. Der alte Herr im Morgenmantel, mitten in einer Winternacht mit seiner Mütze auf dem Kopf überrascht, ist zu einem außerordentlich leicht erkennbaren und reproduzierbaren Bild geworden. Die Illustrationen und die unzähligen Adaptionen von Dickens' Geschichte haben dazu beigetragen, diese Assoziation bis heute weiterzugeben.
Es ist ziemlich amüsant: Nachdem wir im Laufe unserer Untersuchung kurze, bestickte, geraffte, männliche, weibliche Mützen kennengelernt haben, die im Bett oder sogar tagsüber getragen wurden, haben wir am Ende vor allem einen alten Herrn mit einer langen Mütze, die ihm zur Seite fällt, in Erinnerung behalten.
Scrooge hat also die Schlafhaube unserer Vorstellung nicht geschaffen. Er wurde vielmehr zu einem ihrer besten unfreiwilligen Botschafter.
Und nachdem wir nun die wahre Mütze hinter der Figur gefunden haben, können wir endlich zu unserer Ausgangsfrage zurückkehren: Wozu diente diese lange Spitze eigentlich wirklich?
Und der Weihnachtsmann und die Elfen?
Die lange spitze Mütze ist uns heute so vertraut, dass sie sofort auch an Elfen – und manchmal an den Weihnachtsmann – erinnert. Es wäre jedoch zu einfach anzunehmen, dass ihre Mütze direkt von der Schlafhaube abstammt.
Im 19. Jahrhundert trafen mehrere visuelle Traditionen aufeinander. In Skandinavien begannen die alten Tomtes oder Nissen, kleine Wesen der ländlichen Folklore, insbesondere in die Weihnachtsvorstellung einzudringen. In Schweden trugen die Illustrationen von Jenny Nyström dazu bei, den Gårdstomte in den Jultomte zu verwandeln, die Weihnachtsfigur, die wir heute kennen. Auf der anderen Seite des Atlantiks entwickelte sich das Aussehen des Weihnachtsmanns im Laufe des Jahrhunderts ebenfalls weiter, insbesondere unter der Feder von Thomas Nast.
Die spitze Weihnachtsmütze ist also nicht einfach eine verkleidete Schlafhaube. Aber all diese Silhouetten haben sich schließlich in der westlichen Vorstellungswelt vermischt: Hausmützen, populäre Kopfbedeckungen, folkloristische Figuren und Weihnachtsillustrationen haben dazu beigetragen, diese lange Spitze sofort erkennbar zu machen.

Wozu diente also der lange Zipfel der Schlafhaube wirklich?
Nach diesem Ausflug durch mehrere Jahrhunderte europäischer Geschichte, was lässt sich abschließend sagen?
Die erste Funktion ist kaum zu bezweifeln: Die Schlafhaube diente dazu, den Kopf warm zu halten in Schlafzimmern, die sehr kalt werden konnten. Und in diesem Kontext hatte eine lange Mütze wahrscheinlich einen Vorteil gegenüber einem sehr kurzen Modell. Ihr Zipfel bot mehr Stoff und konnte sich um den Kopf, die Ohren oder den Nacken legen. Es ist durchaus plausibel, dass man sie bei besonderer Kälte auch verschieben oder zum Hals ziehen konnte.
Daher rührt wohl auch die heute oft wiederholte Erklärung, dass die lange Spitze als kleiner Schal in der Nacht diente. Das ist möglich und sogar ziemlich logisch, aber wir haben keine historischen Quellen gefunden, die belegen, dass die Mütze speziell zu diesem Zweck verlängert wurde.
Alte Gegenstände und Muster haben uns jedoch etwas anderes gelehrt. Diese Länge war bewusst konstruiert, und die Form der Mütze scheint zu einer viel breiteren männlichen Kleidungstradition zu gehören. In mehreren Regionen Europas wurden spitze oder längliche Mützen von Männern zu Hause getragen, manchmal sogar tagsüber, bevor einige dieser Formen eng mit dem Schlaf verbunden wurden.
Die Antwort ist daher wahrscheinlich weniger spektakulär als ein ausgeklügeltes integriertes Schalsystem, aber interessanter: Der lange Zipfel konnte tatsächlich zusätzliche Wärme spenden, war aber auch eine traditionelle Form der Kopfbedeckung, die weiterhin hergestellt und getragen wurde, weil sie Teil der Bekleidungsgewohnheiten ihrer Zeit war.
Was die anderen Erklärungen betrifft, die man manchmal findet – Feuchtigkeit aufnehmen, als Gegengewicht dienen, um das Herunterfallen der Mütze zu verhindern, oder ein paar wertvolle Münzen im Zipfel verstecken – so haben wir keine ausreichend soliden historischen Quellen gefunden, um sie zu berücksichtigen.
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Die Schlafhaube hat ihre Funktion geändert, ist aber nicht verschwunden
Mit der Beheizung der Häuser und der Entwicklung der Kleidungsgewohnheiten ist es in Europa viel seltener geworden, mit einer Mütze zu schlafen, um nicht am Kopf zu frieren. Die lange spitze Mütze verließ nach und nach die Schlafzimmer und fand ihren Weg in Illustrationen, Kostüme und unsere kollektive Vorstellung.
Aber die Schlafhaube selbst ist nicht vollständig verschwunden. Manche bedecken einfach weiterhin ihren Kopf zum Schlafen – besonders wenn der Schädel rasiert oder besonders kälteempfindlich ist – während andere moderne Schlafhauben neuen Bedürfnissen entsprechen, wie die Satinhauben, die das Haar während des Schlafs schützen sollen.
Diesmal geht es nicht mehr darum, Zugluft in einem eisigen Schlafzimmer zu bekämpfen. Eine glatte Oberfläche reduziert die Reibung der Haare am Kissen und kann helfen, bestimmte Frisuren, Locken oder besonders bruchanfälliges Haar zu erhalten.
Über mehrere Jahrhunderte hinweg bleibt die Idee jedoch merkwürdig vertraut: etwas auf dem Kopf zu tragen, während man schläft, um ihn vor der Umgebung zu schützen. Nur der gesuchte Schutz hat sich geändert.

Eine seltsame Spitze, die viel erzählt
Wir begannen mit einer ganz einfachen Frage: Warum waren die alten Schlafhauben so lang? Wir fanden eine plausible Antwort – mehr Wärme und Schutz – aber auch eine viel weniger einfache Geschichte als erwartet.
Die spitze Mütze war weder die einzige Schlafhaube noch immer nur zum Schlafen bestimmt. Ihre Form scheint sich aus dem Zusammenspiel von Klima, häuslichen Gewohnheiten, Mode und europäischen Kleidungstraditionen entwickelt zu haben.
Letztendlich ist es vielleicht das, was die gewöhnlichsten Gegenstände am besten erzählen: Sie haben nicht immer nur einen einzigen Grund zu sein. Und manchmal reicht es aus, an einem kleinen Faden – oder hier, an einer sehr langen Spitze – zu ziehen, um mehrere Jahrhunderte Geschichte zu entfalten.
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Referenzen und Quellen
Diese Untersuchung stützt sich hauptsächlich auf Objekte aus Museumssammlungen, digitalisierte Manuskripte und alte Werke, ergänzt durch einige moderne Quellen zur Geschichte der Kleidung und Kopfbedeckungen.
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- Rijksmuseum, Amsterdam — Schlafhaube, um 1808 — Der Eintrag weist insbesondere auf die Verwendung der Schlafhaube zum Warmhalten des Kopfes in unbeheizten Häusern hin.
- Morgan Library & Museum — Régime du corps, um 1440–1450 — Französisches Manuskript, in dem eine Miniatur einen schlafenden Mann mit einer Mütze darstellt.
- Royal Museums Greenwich — Schlafhaube von Horatio Nelson, 1800–1805 — Mütze aus weißer Strickseide, mit einer Quaste abschließend.
- Rijksmuseum — Gestrickte Schlafhaube, um 1800–1850 — Mütze aus weißer Baumwolle von etwa 30 cm, deren oberer Teil in dreieckigen Formen endet.
- Knitting & Crochet Guild — Schlafhaube von Captain Tweedie, 1826 — Dokumentiertes Exemplar, das im Bett getragen wurde; seine Beschreibung beschreibt auch die Strickkonstruktion und die Abnahmen, die seine Spitze bilden.
- Élisabeth Celnart — Handbuch für junge Damen, 1826 — Werk mit Anleitungen zum Stricken einer "Herrenmütze".
- Sörmlands museum — Männliche Schlafhaube SLM 10841 — Schwedische Mütze vom Ende des 19. Jahrhunderts, aus weißer Baumwolle gestrickt und mit einer Quaste versehen.
- The Metropolitan Museum of Art — Nachtmütze, 1600–1620 — Britisches Beispiel einer Nachtmütze, die auch zur informellen männlichen Innenbekleidung gehörte.
- London Museum — Nachtmütze, frühes 17. Jahrhundert — Reich bestickte Herrenmütze, die eher zur häuslichen Kleidung als nur zur Schlafkleidung gehörte.
- Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum — Eine Mütze für Tag und Nacht — Vorstellung von Mützen, die drinnen getragen wurden, insbesondere wenn Männer ihre Perücken ablegten.
- Nederlands Openluchtmuseum — Schlafhaube aus Volendam — Mütze, die von Männern auch tagsüber getragen und von Frauen zum Schutz vor Kälte verwendet wurde.
- Der Leitfaden der Arbeiterin, 1838 — Projekt Gutenberg — Britisches Handbuch mit Anleitungen für eine gestrickte "Herren-Nachtmütze" aus Baumwolle.
- Beverly Chico — Hüte und Kopfbedeckungen auf der ganzen Welt: Eine kulturelle Enzyklopädie — Modernes Referenzwerk zur Geschichte und Verwendung von Kopfbedeckungen.
- London Museum — Weibliche Schlafhaube, um 1800 — Beispiel aus Leinen einer figurbetonten und gerafften weiblichen Form, die sich stark von den langen, spitzen Herrenhauben unterscheidet.
- Charles Dickens — Eine Weihnachtsgeschichte, 1843 — Originaltext, in dem Scrooges Schlafhaube explizit erwähnt wird.
- Morgan Library & Museum — Originalillustrationen zu Eine Weihnachtsgeschichte, 1843 — Illustrationen von John Leech für die Erstausgabe von Dickens' Erzählung.




















